Der Abschiedsbrief von Kungfu
Abschiedsbrief von KUNGFU
LIEBE KUNGFU-FAMILY!
Lange haben wir uns nicht mehr hören lassen und vieles ist im
letzten halben Jahr geschehen. Überraschendes, trauriges,
schönes und veränderndes. Doch bevor ich erkläre, was
passiert ist und warum jetzt alles so ist wie es ist, möchten wir
uns gerne entschuldigen, dass wir Euch so lange im Dunklen gelassen
haben über uns. Es hat viel zu lange gedauert und das ist echt
doof. Der Grund für dieses lange Schweigen war in erster Linie,
dass wir selbst nicht wussten, was mit uns abging. Uns ist der
Austausch mit Euch immer extrem wichtig gewesen und ihr könnt uns
glauben, dass wir uns in dieser Planlosigkeit (auch Euch
gegenüber) nicht sehr wohl gefühlt haben. Und jetzt mal die
Katze aus dem Sack: Chrischi, Thomas, Kallas uns ich gehen
zukünftig getrennte Wege! Zumindest was KUNGFU angeht! Obwohl wir
ganz ruhig und sicher mit dieser Entscheidung sind, ist es echt
merkwürdig das hier zu schreiben... Was ist geschehen? Wir
blicken zurück auf das geilste Jahr, dass wir mit der Band je
hatten. 4 Typen, die sich gefunden hatten, Musik die aus uns kam und
die derbsten Konzerte, die wir jemals erleben durften. Man kann sagen,
dass wir, vor allem auch Dank Euch, die schönste Zeit hatten, die
man sich als Band vorstellen kann: Für uns war es immer der Traum
in Städte zu fahren in denen man noch nie vorher war, dort
Menschen kennen zu lernen und mit ihnen Feste zu feiern. Und das auch
noch mit der eigenen Musik! Dieser Traum hat sich tatsächlich
erfüllt, obwohl auf uns Ende 2001 höchsten die Allertreusten
noch einen Pfifferling auf uns gesetzt hätten. Wir hatten ein
Jahr nur wenig getourt, der Plattendeal war Pfutsch, der beknackte
Selig-Hype dahin und Kallas und Thomas neu in der Band. Wir waren nur
noch 4 Jungs mit ihren neuen, anders klingenden Songs in einem kleinen
Proberaum. Wir wussten ganz stark, dass die Energie zwischen uns
größer ist, als sie von außen gesehen wurde und
wollten uns das vor aller Welt beweisen. Wir würden sagen, dass
das passiert ist und diejenige unter Euch, die auf einem unserer
Konzerte waren, können das möglicherweise bestätigen.
;-) Und nach der Tour? Nach der Tour kam erst mal das große
Loch. Ist vielleicht auch verständlich, denn wir lebten 2002
körperlich und psychisch echt an unserem Limit. Das hatte zur
Folge hatte, dass wir (ohne Scheiß!) erst mal alle richtig krank
wurden und ganz klar die neue Devise ausgesprochen wurde: RUHE JETZT!
Daraufhin zogen wir uns alle ein wenig in unsere heimischen
Schneckenhäuser zurück. Wir versteckten uns bei unseren
Ruhepolen (Freundinnen, Freunden & Familie) und ließen uns
Zeit alles sacken zu lassen, um uns später gestärkt wieder
neu zu definieren! So war zumindest der Plan! Was tatsächlich
passierte, ist die überraschende Wendung in dieser Geschichte.
Die Phase des "Runterkommens" entwickelte sich nämlich
für jeden von uns zu einer Episode des "Auftankens"
durch völlig andere Dinge als bisher. Dinge, die einfach
unmöglich zu verwirklichen sind, wenn man ständig auf Tour
ist und die Band 24 Stunden am Tag im Kopf herumspukt. Wir begannen zu
arbeiten: Christian baute an einem wunderschönen Studio in
Berlin, Thomas und Kallas malochten, bastelten an neuen Sounds und
vereisten und ich begann plötzlich Bands zu booken, was schon
immer ein Traum für mich war. Was für uns alle eigentlich
nur die Überbrückung verschönern (und den
Lebensunterhalt übrigens auch sichern) sollte, entwickelte ein
Eigenleben. Die Freiheit die wir uns gegenseitig gaben, setze eine
Veränderung in Gang, die im Grunde auch immer Antrieb dieser Band
war. Uns ging es immer in erster Linie um den Vibe, den wir Vier
untereinander hatten. Es ist schon etwas besonderes, wenn vier
eigentlich völlig unterschiedliche Jungs erkennen, dass sie
gemeinsam eine Energie besitzen, die in dieser Form wahrscheinlich
sehr selten ist. Doch diese Unterschiedlichkeit setzt auch voraus,
dass man dem Anderen Freiheiten einräumt und Respekt entgegen
bringt, ohne den dieses "Besondere" nicht funktionieren
kann. Nichts anderes ist jetzt geschehen... Als die ersten
Festivalanfragen ins Haus flatterten, saßen sich plötzlich
vier belämmerte KUNGFU-Jungs gegenüber und wussten erst mal
gar nichts damit anzufangen. Wir merkten, dass in den vergangenen
Monaten aus den Schneckenhäusern richtige Planeten geworden
waren, von denen wir uns jetzt gegenseitig betrachteten. Die Frage
nach einer neuen Vision wurde in den Raum gestellt und konnte...nicht
wirklich beantwortet werden. Uns war klar, dass, wenn wir einen neuen
Start begännen, etwas neues entstehen muss. Etwas, dass uns
weiter bringt, als wir bisher waren. Etwas anderes hätte keinen
Sinn gemacht. Logisch. Wir begann also zu proben und zu jammen,
mussten aber bald erkennen, dass sich etwas verändert hatte. Das
merkwürdige war, dass uns die Entscheidung sich zu trennen gar
nicht wie ein Schock vorkam, sondern ganz natürlich. Jeder von
uns hatte in den letzten Monaten entscheidende Schritte für sich
getan. Schritte, die jeden von uns in seiner Art ausmachen und die
erst in der Ruhephase wieder richtig zum Vorschein kamen. Die
Unterschiedlichkeiten waren schon immer da, nur eben jetzt viel
klarer. Jedem von uns fiel auf, dass sich das was wir wirklich wollen
noch nicht erreicht ist und auch in diesem Neuanfang nicht erreicht
werden würde, weil wir plötzlich Dinge gefunden hatten, die
uns mindestens genau so viel geben konnten, wie KUNGFU. Das sich
unsere Plattenfirma auflöste und wir keinen neuen Vertrag
bekommen sollten (was wir übrigens durch Euch, aus unserem
Gästebuch erfuhren! ;-)), tangierte wirklich nur am Rande. Das
kannten wir schon und das hat auch damals nicht wirklich interessiert.
Entscheidend war, dass sich etwas bei uns verändert hatte. Und
was soll das sein? Nun gut, Christian hat nicht nur ein sehr
schönes Studio gebaut, sondern auch mit Nils Frevert sehr
schöne Songs geschrieben und aufgenommen. Natürlich wird er,
wie in der Vergangenheit bekanntlich auch, weiterhin Stücke
für andere Leute schreiben, die es verdient haben, dass er's
für sie tut! ;-) Auf Nils' Platte hat grandioserweise der
beste Drummer der Welt seine Beats verewigt: Kallas! Nicht nur
deshalb, kann man sich schon sehr auf dieses kleine Meisterwerk, das
im September erscheinen wird, freuen. Da Kallas und Thomas in den
vergangenen Monaten sehr eifrig am Lieder schreiben waren, ist wohl
davon auszugehen, dass die beiden demnächst eine gemeinsame Band
aus der Traufe heben werden! Noch ein Grund sich zu freuen! Ich
für meinen Teil, hab momentan gar keine Lust auf's Musik
machen. Wie erwähnt, booke ich Bands, die ich gut finde. Und
veranstalte Aktionen, die Hamburg und die Welt schöner machen.
Ich hab das Gefühl lange genug "aus meinem Bauch"
gelebt zu haben und genieße es gerade sehr, dass mich meine
"Kopffrüchte" so glücklich machen. Vielleicht
klingt das für Euch, die mich nur auf der Bühne gesehen
haben komisch, aber das bin ich auch! Glaubt mir, es ist
merkwürdig hier den letzten Brief an Euch zu schicken. Die Musik,
die Band und natürlich auch ihr habt einen so großen Teil
in unserem Leben ausgemacht, dass es unmöglich ist, dies auf zwei
DIN A4-Seiten zu erklären. Ich möchte einfach nur
"Danke!" sagen für alles, was ihr uns in den letzten
Jahren gegeben habt. ...ich hoffe, ihr checkt, wie wertvoll diese Zeit
für uns mit Euch war!
Macht's gut, passt auf Euch auf, alles Liebe und ROCK ON!
Christian, Kallas, Thomas und Jan
